Wie du mit dir selbst EINS wirst

Updated: Apr 29

Worte der Leidenschaft


Kennst du diese Momente, in denen du vollkommen die Zeit vergisst? In denen du vollkommen in dem, was du tust aufgehst? In denen du dir keinen schöneren Ort vorstellen kannst, als DIESEN hier? Von einem solchen Moment möchte ich dir erzählen.


Wir schreiben den ersten Juli 2020 – heute vor genau einem Jahr. Wilde Winde peitschen uns entgegen, ein wolkendurchzogener Sommerhimmel lädt uns ein, uns dem Wasser zu nähern. Mag sein, dass der Strand rechts von mir verheißungsvoll schimmert. Mag sein, dass sich die Bäume des Regenwaldes zu meiner linken friedvoll im Winde wiegen. Doch meine Augen sind geradeaus gerichtet – auf die endlosen, tiefblauen Weiten des Ozeans.


Mit diesem Fokus lerne ich, auf den Wellen zu schweben. Zugegeben, an diesem ersten Tag war es alles andere als „schweben“. Es war vor allem Paddeln und Aufstehen. Doch wie die meisten Wassersportarten ist auch Surfen nicht an einem Tag gelernt.


Normalerweise bin ich ein eher ungeduldiger Mensch. Wenn es nicht sofort klappt oder ich auf ein Ergebnis warten musst, macht mich das verrückt. Heute ist das anders. Voll von kindlicher Euphorie und Leidenschaft bewege ich mich gemeinsam mit dem Wasser – naja, ich versuche es zumindest.


Beim Surfen an der wilden Pazifikküste Tofinos

Der kindliche Teil von dir.


Was ich während dieses Surftages kennenlernen durfte, war mein inneres Kind.


Es ist eine von drei Seelen, die in meinem Herzen lebt. In deinem Herzen. Im Herzen jedes Menschen.


Das Kind sieht die Welt mit offenen Augen. Es staunt, betrachtet voller Neugier und sieht die Welt wie am allerersten Tag. Etwas wie Langeweile gibt es nicht, schließlich gibt es überall ein Abenteuer zu erleben.


Es ist der Teil von dir, der voller Tatendrang und Leidenschaft etwas erleben will. Der innerlich wie äußerlich vor Lachen und Freude zu platzen scheint. Der am liebsten jedem Menschen ins Gesicht rufen würde, wie schön diese Welt ist.


Dein Kind versucht nicht, alles zu erklären. Findet nicht für alles eine objektive Antwort. Es stellt viele Fragen. Und vor allem versteht es, as sein Körper von ihm will, ohne Worte dafür zu haben.


Es verdrängt keine Gefühle. Es ist das Gefühl. Es lebt im Augenblick und nirgends sonst.


Das Kind entspricht der Seele – der Leidenschaft – dem Jetzt.

Doch das Kind ist auch verletzlich, und es wird schnell verletzt. So sehr sich die Menschen auch von der Herzlichkeit des Kindes angezogen fühlen, so sehr nutzen sie seine Naivität aus. Das Kind vertraut – und schnell wird dieses Vertrauen missbraucht.


Das Kind übernimmt nämlich keine Verantwortung – und so kommt es, dass das Kind immer wieder Unterstützung benötigt – aber von wem eigentlich?



Worte der Verantwortung


Ein bitterkalter Tag im Februar – und ich liege grinsend in meinem Campervan. Den ganzen Tag schon kann ich nicht aufhören, zu lachen, obwohl ich deswegen wirklich schräg angeschaut werde.


Vor zwei Tagen wurde ich von meiner Arbeit als Housekeeper im Hotel gefeuert. Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich in dem Moment, in dem ich es erfuhr, anfing, sarkastisch zu lachen. Meine Leistung sei nicht gut genug? War es nicht ich, der vor zwei Wochen, als alle anderen krank waren, den ganzen Laden alleine geschmissen hat?


Nun, auch wenn mir mein Manager den wahren Grund nicht verraten hat, bin ich doch sehr davon überzeugt, dass es die Meinungsverschiedenheiten mit der Chefin waren, die dafür wirklich verantwortlich sind.


Als ich in die Unterkunft aller Mitarbeiter kam, saßen die meisten schon im Wohnzimmer beisammen und blickten mich mitleidig an. Beinahe jeder von ihnen bot mir seine Hilfe und Unterstützung an, denn innerhalb von 2 Tagen sollte ich ausziehen.

Keine Arbeit? Mehr freie Zeit draußen! Ein Winterpaziergang.


Noch heute bin ich dankbar für jeden von ihnen – und trotzdem war ich in keiner Sekunde traurig oder wütend. Aus welchem Grund auch immer konnte ich diesen Schlag ins Gesicht wunderbar wegstecken. Das klingt nun möglicherweise schöngeredet, doch es hat sich genau so ereignet.


Nun liege ich also in meinem Van und betrachte den Sonnenuntergang in der Ferne. Was habe ich gewonnen? Unendlich viel Zeit zum Eishockey spielen? Ungebunden Reisen, wohin auch immer ich will? Tun, was ich will? Die Freiheit genießen? Alle Türen und Tore stehen mir offen!


Und verbringe ich einige kalte, aber erfüllte Wochen in meinem Van, bis sich – wie durch Zauberhand – eine neue Jobmöglichkeit für mich auftut. Der Witz an der Sache? Ich erhalte ein eigenes Zimmer, werde besser bezahlt, muss weniger arbeiten und kann das Spa des Hotels mitbenutzen. Na, wenn das keine wundervolle Wendung ist…das Leben schließt eben nie Türen, ohne nicht auch neue zu öffnen.



Der maskuline Teil von dir


In dieser freien Zeit ohne Arbeit durfte ich den Mann in mir entdecken.


Er beklagt sich nicht, wenn es Herausforderungen im Leben gibt, sondern packt sie an. Übernimmt Verantwortung für sich und sein Handeln. Arbeitet auf ein Ziel hin, bis er es erreicht hat. Genau das, was das Kind nicht kann.


Der Mann steht für Macht und Kraft. Mögen die Umstände noch so einschüchternd sein, der Mann vertraut in sich selbst und die Menschen, die ihn Umgeben.


Er ist der Inbegriff von Gelassenheit und Entspannung – nichts bringt ihn auf die Palme, er tut einfach.


Der Mann entspricht dem Geist – dem Erfolg – der Zukunft.

Doch was ich hier als den maskulinen Teil bezeichne ist nicht dasselbe wie ein Mensch des männlichen Geschlechts, im Gegenteil! Was ich hier beschreibe ist hingegen die wahre, maskuline Energie, die in jedem Menschen steckt.


Doch diese maskuline Energie hat auch eine Schattenseite. Der Drang nach Erfolg und Ergebnissen führt zu Ehrgeiz und Stolz – das kann dazu führen, dass der Mann in einer Blase lebt und die Realität nicht wahrhaben will. Er lebt in der Zukunft und kann die Schönheit des Augenblicks verpassen.


Seine wohl größte Schwäche ist aber seine Unfähigkeit, sich ehrlich die eigenen Gefühle einzustehen. Ein weiser Mensch sagte einst:


Ein Mann, der nicht zur rechten Zeit weinen kann, ist keinen Pfifferling wert.

Ich finde diese Worte sehr zutreffend. Doch genau dafür gibt es eine dritte Energie in uns:



Worte der Liebe


Ewigkeit. Das ist alles, was ich sehe, als ich meinen Kopf in den Himmel recke. Mein ganzer Körper fühlt sich an wie taub, was bei -45°C schon passieren kann. Ich stehe mitten auf dem Great Slave Lake im höchsten Norden und sehe dabei zu, wie sich lange, grüne Bänder über den Himmel ziehen. Die Polarlichter.


Es war mein Lebenstraum, und jetzt habe ich ihn mir erfüllt: Einmal hoch in den Norden fahren und die majestätischen Lichter in mein Herz schließen. In diesem Augenblick rollt etwas aus meinem Auge. Ich halte es für eine Träne, doch schon nach einer Sekunde ist sie auf meiner kalten Wange zu einem Eistropfen geworden.


Güte und Liebe pulsieren in meinem Herz, als ich die Arme gen Himmel strecke und anfange, unter Tränen glucksend zu lachen. Dieser Moment – das ist die Ewigkeit.


Aurora Borealis in Yellowknife, NT, Canada. Das Foto hat ein lieber Freund von mir gemacht.

Der feminine Teil von dir


Unter den Lichtern des hohen Nordens durfte ich meinen femininen Anteil kennenlernen.


Sie ist der Inbegriff von Liebe und Gefühlen. Und sie lässt diese zu, egal ob ich mich dadurch freudig oder traurig fühle.


Sie erlaubt mir Nähe. Erlaubt mir, Menschen nahe zu kommen und Zuneigung zu zeigen. Sie zeigt Verständnis. Hört zu.


Die Frau berührt Menschen im Herzen. Sie hat nicht meinen maskulinen Drang nach Umsetzung, sondern viel mehr das Bedürfnis, nachzudenken und über meine Gefühle und Gedanken zu sprechen.


Sie braucht nicht immer ein Ziel, sondern genießt die Reise.


Die Frau entspricht dem Herz – der Erfüllung – dem Jetzt.

Denn was wären Mann und Kind ohne die Fähigkeit, alles miteinander zu vereinen und zu fühlen? Zu spüren, zu erleben, das ist es doch, was uns lebendig und zu Menschen macht.


Doch auch die feminine Seite hat einen Schwachpunkt: Sie macht sich nicht immer auf den Weg. Sie geht nicht los und kann zögerlich sein, was schnell dazu führt, dass sie sich auf der Stelle dreht und nicht vorankommt.


Auch diese feminine Energie ist ein Anteil in jedem von uns, nicht nur in Frauen. Wenn also jeder von uns jeden Anteil in sich hat, stellt sich die Frage: Wie können wir alle drei vereinen?



Mit dir selbst Eins werden.


Fassen wir also zusammen:


  1. Das Kind steht für die Seele. Es repräsentiert Leidenschaft, Lebensfreude und Gegenwart.

  2. Der Mann steht für den Geist. Er repräsentiert Vertrauen, Stärke, Erfolg und Zukunft.

  3. Die Frau steht für das Herz. Sie repräsentiert Liebe, Verständnis, Erfüllung und Gegenwart.


Mit diesen Worten möchte ich im Grunde genommen sagen: Warum streben Menschen nach Idealbildern wie Maskulinismus, Feminismus und Infantismus?

Die Erleuchtung, wenn man EINS ist ;)

Ich meine, geht es wirklich darum, nur einen Teil von uns zu stärken? Alle drei Energien sind in sich wertvoll, doch sie werden zu einer zerstörerischen Macht, wenn sie die einzigen sind!

  • Gibt es nur noch kindliche Energie, übernimmt niemand mehr die Verantwortung für sein Handeln, und jeder tut was ihm gefällt – dies kann den Menschen schaden und sichert uns nicht das physische Überleben.

  • Gibt es nur noch männliche Energie, arbeiten alle auf ferne Ziele hin, unfähig den Moment zu genießen oder Gefühle zuzulassen – wir Menschen würden uns über Lang und Kurz selbst die Köpfe einschlagen.

  • Gibt es nur noch weibliche Energie, wären vermutlich alle Ideen gut durchdacht und die Welt ein liebevoller Ort, doch nur wenige Ideen würden jemals umgesetzt, da Gespräche den Raum zum Handeln nehmen.

Halten wir also fest: Die Einheit macht den Unterschied. Ich würde es als Humanismus bezeichnen.


All unsere Probleme kommen daher, dass wir in einer Situation mit dem falschen Seelenanteil reagieren.

Es ist klar, dass es Konflikte gibt, wenn beispielsweise deine feminine Seite gebraucht wird, aber du maskulin reagierst.


Zum Glück liegt die Lösung bereits in uns. Alle drei sind in uns. Alle drei wollen gestärkt werden.

In einer immer intensiver spezialisierten Welt verlieren wir leider häufig eins aus den Augen:


Wir müssen nicht bloß eins sein.

Wir können alles sein. Wir sind alles. Mann, Frau und Kind, man könnte sie als die Spielfiguren des Lebens bezeichnen, sind in uns. Wer das Buch/den Film Die Bestimmung kennt, weiß wovon ich spreche: Die Lösung ist immer die Vereinigung, die Verbindung.


Das ist es, was ich dir heute mit auf den Weg geben möchte.


Hör auf deine Seele.

Hör auf deinen Geist.

Hör auf dein Herz.


Hör einfach auf deinen Körper. Vertraue Kopf wie Herz wie Seele. Du hast alle Energien des Universums in dir. Auf dass du sie weise nutzen mögest und die Welt durch dich zu einem lebenserfüllten Ort wird!


Im Einklang mit der Energie,


dein Johannes






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