Mein Leben als Minimalist

ch blicke mich um. Alles was ich sehe, gefällt mir. Jede Pflanze, jedes Buch, jedes Kleidungsstück. Vor Glück erfüllt springe ich aus meinem Bett, bereit, einen neuen, wundervollen Tag zu begrüßen. Einen Tag, an dem ich nur von Dingen und Menschen umgeben bin, die ich liebe. Doch lass mich noch einmal von vorne beginnen;


Ich bin Johannes, 22, und lebe ein minimalistisches Leben. Für die meisten Menschen bedeutet das: Eine kahle, leblose Wohnung, in der gerade das Allernötigste vorhanden ist. Doch in meinen Augen bedeutet es etwas ganz anderes:


Minimalismus heißt für mich nicht, dass ich nichts habe, sondern dass ich nur die Dinge besitze, die ich wirklich brauche.

Oder die ich will und die ich wertschätzen kann. Mein Zimmer ist alles andere als kahl und leer. Doch jeder einzelne Gegenstand, jede Pflanze, die ihn erfüllt, habe ich bewusst ausgewählt. Mein Zimmer lässt mir Luft zum Atmen!


Der Platz, an dem die meisten Blogartikel entstehen.

Minimalistisch zu leben bedeutet also, dass ich nicht nur die Dinge habe, die ich will, sondern dass ich auch die Dinge will, die ich habe.

Angefangen hat das bei mir vor etwa sechs Jahren. Ich liebe es, schöpferisch tätig zu sein. Sei es in Form von Schreiben oder Musizieren – meine Kreativität entfaltet sich am besten in einem Umfeld ohne störende Einflüsse.


Mit sechzehn Jahren begann ich also, alles auszumisten, was meine Kreativität erstickte und was ich nicht brauchte. Ich fing an, mir ein Umfeld ohne Ablenkungen zu erschaffen – physisch und digital. Ich besitze gerade einmal 22 Apps auf meinem Handy. Textnachrichten, Banking, Fotos und Musik – im Großen und Ganzen ist das alles, was ich brauche.


Auf den ersten Blick alles andere als minimalistisch, oder?

Was diesen Lebensstil so wunderbar macht ist, wie klar geordnet und strukturiert mein Umfeld ist. Ich besitze nicht viel, also weiß ich genau, wo ich was finde. Ich brauche nicht viel, und das spart mir Geld, denn ich habe nicht das Bedürfnis, Krempel anzuhäufen. Vor jedem Kauf überlege ich mir, ob ich den Gegenstand wirklich brauche.


Ebenso wunderbar ist die Leichtigkeit, mit der ich mich dadurch auf das Wesentliche fokussieren kann. Es kommt nämlich nicht darauf an, wie viel ich besitze, sondern was ich aus den Dingen mache, die ich besitze.


Eine Herausforderung jedoch ist der Perfektionismus, der den Minimalismus oft begleitet. Mein schlichter Lebensstil führt leider zu dem Drang, Dinge aufbrauchen zu müssen, um weniger zu besitzen. Nach dem Lebensmitteleinkauf fülle ich beispielsweise alles gleich in Gläser um, um so wenig Verpackungen wie möglich anzusammeln. Ich liebe es auch, Dinge wegzuwerfen, die ich nicht mehr brauche, alte Schmierzettel so schnell wie möglich zu verwenden, meine Stifte „leerzuschreiben“ und alte Kerzen abzubrennen. Ich laufe also manchmal Gefahr, dass eher ich dem Minimalismus diene als umgekehrt.


Ein Blick in meinen Küchenschrank.

Das ist für mich jedoch die einzige Schattenseite meines minimalistischen Lebens. Denn die wunderbaren Auswirkungen der „Schnickschnackdiät“ auf mein Leben sind sehr befreiend: Mein Kopf ist klar. Ich kann fokussiert und ohne Ablenkung arbeiten. Ich muss mich nicht um einen Haufen von Dingen kümmern. Ich reise oft nur mit einem winzigen Rucksack. Meine einzigen Kosmetikprodukte sind eine Haarseife, Kokosöl und Zahnpasta. Ich trinke nur Wasser und koche für mich selbst größtenteils vegan. Und auch mein Freundeskreis ist klein – dafür umgebe ich mich nur mit Menschen, die ich wirklich liebe.


Das Wichtigste jedoch ist, dass ich erfüllt bin. Jeden Morgen stehe ich mit dem Gefühl auf, dass ich mein Leben liebe. Es gibt nichts, was hier nicht hingehört. Das ist der Segen eines minimalistischen Lebens.



Wie viel besitze ich wirklich?

  • 3 Kosmetikprodukte

  • 4 Rucksäcke und Jacken

  • 5 Paar Schuhe

  • 7 Hosen und Pullover

  • 9 Pflanzen

  • 10 Stifte

  • 22 Apps auf dem Handy


6 Gedankenanstöße, um selbst minimalistischer zu leben


  1. Es ist egal, wie viel du besitzt, solange du bei jedem Gegenstand sagen kannst: Er schenkt mir Zufriedenheit, statt nur Raum einzunehmen.

  2. Wer weniger braucht, braucht weniger Geld. Somit kannst du arbeiten, um einen positiven Beitrag zu leisten, statt nur, um deinen Konsum zu finanzieren.

  3. Frag dich bei Lebensmitteln und Kosmetik: Braucht mein Körper das wirklich?

  4. Miste neben deiner Wohnung auch digital aus: Brauche ich diese App/Fotos/Newsletter/Abos wirklich noch, oder rauben sie mir nur Zeit, Geld und Platz?

  5. Wenn du doch etwas kaufst, frage dich: Dient mir dieser Gegenstand langfristig mehr, als er mir raubt? Schlaf einige Nächte über die Kaufentscheidung.

  6. Bleiben allzu viele Dinge übrig, die „dich glücklich machen“, denk daran: Nur du selbst kannst dich glücklich machen. Dinge können dich dabei unterstützen, doch wenn du es nicht schaffst, kann dein Krempel es auch nicht.


Vielleicht konnte ich dir meine Art des minimalistischen Lebens näherbringen, und ich freue mich, wenn diese Gedanken etwas mehr Klarheit in dein Leben bringen können!


Hab einen schönen Tag!




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