Geschichten, die Freiheit schenken

Updated: Apr 29

Zugegeben, dieser Beitrag hätte auch „Fähigkeiten der Freiheit“ heißen können. Welche Fähigkeiten, welche Handlungen, welche Geisteshaltungen geben mir ein Gefühl der Freiheit?


Eine Sache vorweg: Ich will hier unbedingt Freiheit und Unabhängigkeit unterscheiden.


Unabhängigkeit bedeutet für mich beispielsweise, finanziell nicht auf meine Mitmenschen angewiesen zu sein. Mein Leben in Eigenverantwortung zu leben. Mich selbst entscheiden zu können, was ich tun und wonach ich streben möchte.


Freiheit hingegen ist für mich ein Gefühl.

Es ist diese Gänsehaut am ganzen Körper, wenn ich das Gefühl habe, der König der Welt zu sein. Ich brauche dafür nicht viel – nur ein überwältigendes Gefühl.


Heute möchte ich mit dir über das Gefühl der Freiheit schreiben, nicht die materielle Unabhängigkeit. Wenn dich nur letztere interessiert, hör am besten hier auf, zu lesen.


Ich halte das innere Gefühl der Freiheit für sehr viel erstrebenswerter als die tatsächliche physische Freiheit. Denn alles, was uns körperlich wovon Bedeutung ist, können wir auch wieder verlieren. Doch was wir in unserem Herzen spüren, vermag keine Macht der Welt zu zerstören.


Ich denke hierbei an den Psychologen Viktor Frankl, der lange Zeit in einem Konzentrationslager gefangen gehalten wurde. Trotz der totalen körperlichen Gefangenschaft sah er einen tiefen Sinn im Leben und in seinem Handeln. Er bejahte das Leben.


Daher ist es erstaunlich, wie viele Menschen ich kenne, die zwar materiell alles besitzen, was sie sich wünschen, und ein körperlich unversehrtes Leben führen, aber dennoch unzufrieden sind.

Wie kann es sein, dass wir Menschen derart unterschiedlich empfinden können?


Alles geschieht einfach.


Es ist einer dieser magischen Tage, die ein Mensch in seinem ganzen Leben nicht vergessen wird. Um 4:30 Uhr morgens starte ich den Motor meines alten Vans. Voller Vorfreude über das, was gleich kommen wird, lenke ich mein Zuhause auf Rädern durch die menschenleeren Straßen Victorias.


Der Pazifik leuchtet im Morgenrot

Der Horizont färbt sich schon rot-violett, als wir schließlich die Hügelspitze erreichen. Von hier oben können wir in alle Himmelsrichtungen blicken – und was für ein Geschenkt das ist! Wir sind umgeben von sanften, waldbedeckten Hügeln, dem friedvoll rauschenden Pazifik und im Winde wehenden Gräsern, hinter denen majestätisch die Morgensonne aufgeht. Wow.


Dieser Moment, wenn die ersten Lichtblitze den Horizont überschreiten, sind für mich etwas ganz besonderes, und es ist mir ein Vergnügen, diesen Anblick heute mit ein paar Feldhasen zu teilen.


Wann immer ich einen Sonnenaufgang sehe, erinnert er mich an eine wichtige Einsicht:


Jeder Sonnenaufgang ist einzigartig.

An jedem einzelnen Morgen geht irgendwo die Sonne auf. Es ist ein ewiger Kreislauf, der sich immer wiederholt. Es ist eigentlich immer dasselbe Geschehen – und doch besitzt jeder Sonnenaufgang für mich eine einzigartige Schönheit. Es ist, als würde in mir ein züngelndes Feuer der Freude entstehen. Das ist Freiheit.


Auf einer sachlichen Ebene würde ich sagen: Dinge geschehen einfach. Die Sonne geht einfach auf. Sie geht wieder unter. Und so ist es mit allen Dingen.


Alles geschieht einfach. Die Besonderheit des Menschseins besteht darin, dass wir die Dinge interpretieren.

Der Sonnenaufgang in Victoria

2019 veröffentlichte ich auf YouTube einen Kurzfilm mit dem Titel „Die Welt ist…“. Erzählt wird dreimal dieselbe Geschichte. Nein, dreimal dieselben objektiven UMSTÄNDE! Doch der Protagonist reagiert jedes mal auf eine andere Weise – ganz nach seiner Interpretation der Dinge.

Dieser Film bringt mich immer wieder aufs Neue zum Nachdenken. Die Welt ist für keinen von uns neutral, solange wir sie interpretieren. Gerade das macht doch den Reiz des Lebens aus.


Und was hat das mit Freiheit zu tun?


Nun, ich fühle mich frei, wenn ich etwas einzigartiges tue. Beispielsweise ist jeder Sonnenaufgang für mich einzigartig und somit ein Quell der Freiheit. Dasselbe ist es, wenn ich musiziere oder meiner Leidenschaft – dem Schreiben – nachgehe. Wie oft habe ich wohl schon jede der 26 Buchstabentasten auf meiner Tastatur gedrückt? Und doch ist es jedes Mal ein neues, einzigartiges Vergnügen.


Wie oft habe ich schon dasselbe Kartenspiel gespielt, ohne dass es an Spaß verloren hat? Nein, die Frage, die ich mir gestellt habe, lautet:


Welche Dinge liebe ich? Und wie kann ich sie jedes Mal als etwas Besonderes erleben?

Die Kunst ist es schließlich, das nicht nur mit den Dingen zu tun, die ich liebe, sondern es auf normale Dinge zu übertragen. Solche Dinge, die ich nicht direkt liebe. Beispielsweise Wäsche waschen. Wie kann ich auch jeden Waschgang einzigartig machen.


Die Königsdisziplin ist es dann vermutlich, das auch mit den Dingen zu tun, die ich hasse. Ich gebe zu, mir selbst gelingt es gerade mit den Dingen, die ich liebe, und einigen wenigen normalen Dingen. Ich bin noch nicht soweit, dass ich „meine Feinde lieben“ könnte. Doch das Leben ist schließlich ein Prozess. Dinge geschehen einfach.


Handeln heißt Verwandeln.


„Ach, wir können auch noch morgen noch Skifahren gehen!“


Entschuldigend zucken meine Mitbewohner mit den Achseln, als ich am 17. März 2020 das Haus verlasse. Ich denke nicht weiter darüber nach und verbringe einen atemberaubend schönen Tag auf der Piste. Sonnenschein, blauer Himmel, frischer Schnee – was wünscht sich das Herz mehr? Erfüllt und erschöpft kehre ich abends wieder nach Hause zurück.


Der nächste Morgen. Die ganze Mannschaft ist im Wohnzimmer versammelt und blickt ungläubig auf ein Handy. Die Regierung hat das Skigebiet geschlossen. Der Grund dafür dürfte wohl für jedermann offensichtlich sein.

Snowboarden am letzten Tag vor der Schließung


Erstaunlich, wie schnell sich ein „das mache ich Morgen“ doch in ein „das wird nie geschehen“ verwandeln kann. Doch ich habe diese Geschichte nicht erzählt, um einen zynischen Kommentar darüber abzugeben. Vielmehr möchte ich mit ihr einen weiteren Freiheitsgedanken untermalen:


TUN schlägt REDEN, FÜHLEN schlägt DENKEN.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass mein Leben am aufregendsten verläuft, wenn ich einfach beginne, zu handeln, statt zu lange darüber zu reden. Wenn ich mich auf mein Gefühl verlasse, anstatt zu lange nachzudenken.


Ein einfacher Handgriff ist effektiver als jedes „Man müsste mal…“.


Ein liebevoller Kuss sagt mehr als ein „Ich liebe dich“.


Es ist erstaunlich, wie viel leichter das Leben wird, wenn ich handle, Entscheidungen treffe, fühle. Dies soll keine Aufforderung zum hirnlosen Handeln sein. Es bedeutet vielmehr:


Sammle Wissen. Sprich über die wichtigen Dinge. Aber wenn die Zeit gekommen ist, vergiss die Worte, folge deinem Bauchgefühl und tu es einfach.

Ein Grundwissen ist natürlich immer von Nutzen. Doch es nützt nichts, alles Wissen der Welt zu besitzen. Was zählt ist, dass wir auch bereit sind, aus unserem Wissen heraus zu handeln. Letztlich steckt alles, was wir brauchen, bereits in uns. Der beste Lehrer scheint mir die Erfahrung zu sein, nicht Bücher und nicht Menschen.


Ein weiterer Aspekt dieser kleinen Geschichte ist es, die richtige Zeit zu erkennen.


Die richtige Zeit ist Jetzt.

Tun geht nur im Augenblick. Nicht gestern, nicht morgen, JETZT. Hätte ich an jenem Schicksalhaften 17. März auch nur einen Tag zu lange gezögert, wäre die Chance für immer verloren gewesen.


Maximal frei fühle ich mich dann, wenn ich mich spontan entscheide, zu handeln. Wenn ich meinem Gefühl folge und nicht die Pro- und Contra-Argumente bis ins kleinste Detail diskutiere. Irgendwann ist die Zeit des Nachdenkens vorbei und die Ära des Handelns beginnt. Das ist die Ära der Freiheit.


Gefühle berühren.


Ich habe genug von Informationen, Fakten und Wissen. Von allen Seiten werden wir damit bombardiert. Die meisten Menschen scheinen vergessen zu haben, was wir wirklich brauchen. Und das sind Gefühle.


Mein persönliches Geschichtenbuch - ein Quell der Inspiration

Gefühle, wie sie sich mit Worten nur schwer ausdrücken lassen. Die vermutlich beste Möglichkeit ist es, Geschichten zu erzählen. Geschichten transportieren die Gefühle zu den Menschen, nach denen sie sich sehnen.


Nichts spricht dagegen, Wissen zu teilen, um einen Gedanken zu teilen. Doch eins muss dir dabei bewusst sein:


Es bleibt nicht hängen, was, sondern WIE du es sagst.

Menschen werden vielleicht vergessen, welche Worte du ihnen mitgeteilt hast, doch niemals das Gefühl, welches du ihnen damit gegeben hast. Eine berührende Geschichte weckt in einem Menschen den Drang nach Freiheit. Das Gefühl, wie ein Vogel fliegen zu können.


Mach dir selbst ein Geschenk.


Zusammenfassend ist das ganze Leben ein Auf und Ab, Höhepunkte gefolgt von Tiefpunkten, eine einzige Achterbahnfahrt. Genau diese ist es, die uns das größte Freiheitsgefühl schenkt.


Und wenn wir schon beim Geschenken sind: Ich möchte dir etwas mit an die Hand geben. Das Gefühl von Freiheit ist kein fernes Ziel in der Zukunft. Es ist nichts, womit du plötzlich eines Tages aufwachst. Es hat weder mit Glück noch mit Zufall zu tun. Es ist ein beständiger Prozess.


Meine Idee ist es, dir zu notieren, wann du dich frei fühlst. Du kannst jederzeit auf diese Liste blicken, und dich erinnern, dass du öfter frei bist, als du denkst. Hier ist eine persönliche Liste, wann ich mich frei fühle:


Ich bin frei, wenn…

...ich über mich hinauswachse.

…ich nichts mehr zu verlieren habe.

…mir die Meinung anderer Menschen zunehmend unwichtiger wird.

…ich unabhängig von Konsum und Bespaßung bin.

…ich meine negativen Glaubenssätze reduziere.

…mein Selbstvertrauen wächst.

…ich steigende Dankbarkeit empfinde.

…ich einen Augenblick mit voller Hingabe genießen kann.


In diesen Momenten fühle ich mich frei. Wie steht es mit dir? Wann fühlst du dich frei? Was kannst du tun, um dich seltener als Opfer der Umstände und häufiger frei zu fühlen?


Was bedeutet es für dich, frei zu sein?








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