Warum die Welt ist, wie du bist

Updated: Apr 29

Vor ziemlich genau zwei Jahren habe ich einen Kurzfilm veröffentlich, der den Titel trägt:



Als meine Freunde und ich diesen Film aufnahmen, war uns zwar bewusst, dass wir gerade eine wahre Botschaft vermitteln. Doch vermutlich war uns nicht klar, WIE wahr diese Botschaft wirklich ist.


Häufig tun wir im Leben Dinge, die sich gut anfühlen, ohne zu verstehen, warum sie gut sind. Heute, zwei Jahre später, habe ich erkannt, warum der Inhalt dieses Films so wahr ist. Und diese Gedanken möchte ich nun gerne mit dir teilen.


Eine Frage der Perspektive


Mal angenommen, ich würde dich bitten, für diesen Blog zu spenden. Wie viel wärst du bereit, dafür zu geben?


Wenn du ihn als lebensverändernd und eine große Bereicherung ansiehst, ist er dir vielleicht einige hundert Euro wert. Wenn du ihn hingegen nur mäßig interessant findest, spendest du möglicherweise fünf Euro aus Mitleid.


Dieser Blog ist nicht gut. Er ist auch nicht schlecht. Es ist deine Perspektive, die ihn erst gut macht.


Die Welt ist nicht gut oder schlecht. Es hängt ganz davon ab, worauf du deinen Fokus richtest. Wenn du die ganzen Baustellen siehst, ist es leicht, die Welt als böse anzustempeln. Wenn du nur die Blumenwiesen siehst, erscheint sie dir wie ein friedlicherer Ort.

Genießt du das Panorama - oder siehst du nur den nahenden Regen ?

Dies ist keine Ermutigung zum positiven Denken, im Gegenteil: Einen gewissen Realismus finde ich essenziell. Doch ich würde noch einen Schritt weiter gehen und sagen:


Sei weder Pessimist noch Optimist noch Realist. Sei ein Visionist.

Ob ich mir diesen Namen selbst ausgedacht habe? Möglicherweise. Für mich ist es ein Mensch, der mit einer positiven Grundeinstellung in die Welt geht. Wenn er dann auf ein Problem trifft, redet er es nicht schön, sondern sucht nach einer Lösung. Doch wenn er diese gefunden und umgesetzt hat, genießt er auch dankbar das Ergebnis.


Das ist ein Visionist. Ein Mensch, der die Perspektive wechseln kann.



Wie die Welt wirklich ist


Ist die Welt gut? Ist sie schlecht? Nun, meiner Meinung nach sind beides Urteile. Urteile sind menschengeschaffen. Die Welt ist nicht menschengeschaffen. Also kann sie nicht beurteilt werden, sie ist einfach.


Warum darf ich das sagen? Nun, stell dir dasselbe Ereignis vor. Sagen wir, zwei Freunde treffen sich zum Basketballspielen. Beide werfen auf den Korb, beide treffen 5 von 100 Würfen. Der eine von beiden ist total enttäuscht, der andere kann seine Begeisterung kaum im Zaum halten.


Was ist geschehen? Nun, der eine von beiden war Basketballprofi, und 5 von 100 Würfen ist für seine Verhältnisse sehr wenig. Der andere war ein blutiger Anfänger, der zuvor noch nie einen basketball in der Hand hielt. Dreimal darfst du raten, welcher von den beiden sich über DASSELBE Ereignis mehr gefreut hat.


Das Ereignis ist zwar Objektiv, doch jeder Mensch interpretiert es für sich anders. Die Welt ist nicht, wie sie ist, sondern wie du sie siehst.


Zwei Menschen können das exakt selbe Leben führen – einzig ihre Sicht auf die Welt entscheidet, ob es ein erfülltes Leben ist, oder nicht.

Aber Menschen, könnte man jetzt sagen, Menschen sind dann doch bestimmt gut oder schlecht. Nun, auch das ist eine interessante Frage. Sicher gibt es Menschen, die gut (der Welt dienlich) und schlecht (der Welt schadend) handeln. Doch ist das Handeln wirklich das, was den Mensch ausmacht?


Ja, kann man sagen, denn ich bin die Summe meiner Handlungen. Ich sehe das allerdings etwas anders. Man nehme nur mal das Beispiel Gruppenzwang. Ein junges Mädchen verhält sich in einer Gruppe auf eine Weise, die ihr gar nicht entspricht. Ist sie jetzt ihr Handeln, auch wenn sie gar nicht hinter ihren Taten steht?


Ich denke, sie möchte einfach vermeiden, von der Gruppe ausgegrenzt zu werden. Und so wie diesem jungen Mädchen geht es vielen Menschen. In unserem Wunsch, dazuzugehören, treffen wir oftmals Entscheidungen, die unserem Selbstbild widersprechen.


Von daher trenne ich gerne Mensch und Verhalten. Jeder von uns hat eine Vorstellung davon, wie er oder sie WIRKLICH ist. Und nur, weil wir momentan noch nicht in der Lage sind, uns so auszudrücken, können wir doch trotzdem im tiefsten Kern so sein, oder?



Es ist entscheidend, wie du die Welt siehst.


Der Mensch ist also nicht an sich gut oder schlecht, er entscheidet sich nur, auf die eine oder andere Weise zu handeln.


Umso wichtiger ist es, dir einmal bewusst zu machen: Ja, wie handle ich eigentlich? Ist diese Situation wirklich schlecht, oder fühlt sie sich nur so an?


War die eintägige Flugreise vor diesem Ankunftsbild anstrengend? Oder kann ich meine Reisefreiheit genießen?

Ist die Bahnverspätung schlecht?

  • Nicht, wenn du im Zug sitzt, und den Folgezug wegen seiner Verspätung noch erreichst.

Ist die lange Flugreise anstrengend?

  • Nicht, wenn du erkennst, was für ein Privileg deine Reisefreiheit ist, besonders in Zeiten wie diesen.

Schmeckt dir das Essen nicht?

  • Denk an die Campingabende zurück, an denen dir von halbrohem Stockbrot und verkokelten Würstchen schlecht geworden ist.


Das Problem sind nicht die Umstände. Es ist nicht die Welt. Es sind nicht andere Menschen.


Die Herausforderung sind unsere eigenen Urteile.

Wie du die Welt siehst, ist weitaus entscheidender, als wie die Welt ist.



Alles ist gleich


Es ist so leicht, sich in den Dramen der Welt zu verstecken. In einer Geschichte mitzuspielen. Dir eine Rolle aufzwingen zu lassen. Doch mit einem freien, glücklichen, selbstbestimmten Leben hat das nichts zu tun.


Alles ist gleich bedeutet nicht, dass alles egal ist. Sondern, dass alles gleich wichtig oder unwichtig ist.


  • Dreht sich die Erde um die Sonne oder die Sonne um die Erde?

  • Fährt der Zug oder die Landschaft vorbei?

  • Siehst du eine Lichtbrechung in feinen H2O-Molekülen oder einen Regenbogen?


Es ist ganz und gar gleich.


Spielt die Meinung anderer Menschen eine Rolle? Machst du Fotos, um dich selbst daran zu freuen, oder um andere zu beeindrucken? Stell dir häufig Fragen wie diese, und ich bin mir sicher, dein Leben wird nicht mehr dasselbe sein.


So viele Menschen träumen davon, frei zu sein. Doch weißt du, was das so spannend macht? Jeder Mensch definiert Freiheit anders. Warum nicht also deine Träume so definieren, dass du sie auch erreichen kannst?


  • Für einen Gefangenen ist das einfache Angestelltenleben die große Freiheit.

  • Ein Angestellter bewundert das Leben seines Chefs.

  • Dieser wäre gerne so reich und frei, wie der reichste Mensch der Welt.

  • Der reichste Mensch der Welt wünscht sich das Glück und die Seelenfreiheit des Dalai Lamas.

  • Der Dalai Lama ist glücklich mit dem, was er hat – das macht ihn zu einem freien Menschen.


Du siehst, der Schlüssel zu Glück, Freiheit und allem, was du dir sonst noch wünschst, steckt bereits in dir.


Es genügt häufig, durch den Nebel vor dem eigenen Herzen hindurchzuschreiten und dich einmal zu fragen, was deine Wünsche dir überhaupt bedeuten.


Wie willst du glücklich sein, ohne zu wissen, was Glück für dich ist?


Scheitern ist immer ein Neuanfang


Zu guter letzt möchte ich dir noch eine Geschichte erzählen. Vor einem Jahr machten uns meine Freundin und ich auf, den 3000 Meter hohen Cascade Mountain zu besteigen. Ein einfacher Aufstieg war das nicht, denn als wir nach 2000 Metern die Baumlinie hinter uns gelassen hatten, fing das Zähneknirschen erst an. Ein riesiges Geröllfeld voll loser Steinplatten lag vor uns.


Dachten wir in diesem Geröllfeld bereits, dass der Aufstieg lebensgefährlich war, so musst du dir nun vorstellen, dass wir an eine Felswand kamen. Nach oben hin steil, gen Abgrund hin steil, dazwischen ein kaum fußbreiter Grat, auf dem man sich nur schwer halten konnte.


Nur ein schmaler Grat trennt Leben von Tod. Die Besteigung des Cascade Mountain.

Wir begannen wirklich zu hinterfragen, ob wir bis zum Gipfel gehen sollten. Doch wir überwanden unsere Angst und erreichten den False Summit, den zweiten der drei Gipfel. Hier schließlich hörte unser Weg auf: Vor uns lag ein (im August!) noch halb zugefrorener, ebenso schmaler Pfad wie gerade eben – mit nur einem Unterschied: Es gab nun keine Wand mehr, an der man sich seitlich abstützen konnte, sondern es ging auf beiden Seiten endlos weit in die Tiefe.

In den letzten Metern bis zum Gipfel entscheiden wir uns lieber fürs Leben.

An diesem Punkt entschieden wir uns, umzukehren. Früher hätte ich dies wahrscheinlich als Scheitern betrachtet. Doch das war es aus mehreren Gründen nicht:


Wir haben abgeschätzt, was uns mit unserer Ausrüstung möglich war.


Wir haben unser Bestes gegeben und unfassbar viel Spaß gehabt.


Wir haben nicht das Problem, das viele Weltmeister oder Besteiger des Mount Everests nur zu gut kennen: Wenn man einmal am höchsten Gipfel stand, welche Herausforderungen gibt es dann noch? Woran können sie dann noch wachsen?


Wir haben nun immer noch ein Ziel, sollten wir je wieder in die Rocky Mountains zurückkehren.


Wie man sieht: Ob Scheitern oder Erfolg: Alles hängt von der Perspektive ab.


Und so ist es auch mit der Welt.


Als Visionist sehe ich die Welt, wie sie ist. Und ich sehe, was ich tun kann, um die Welt besser zu machen, als sie ist.

Wie ist es mit dir? Welche Entscheidung triffst du? Wie siehst du die Welt? Die Menschen? Dein Leben?


Auf einen August voller Leidenschaft!


Dein Johannes




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